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Museum im Deutschhof
Blick in den Kunsttempel: Zweiter Tempelzyklus an der Kunststätte Bossard.
Aussenansicht der Mussen Böttcherstrasse
Gustav Seitz Stiftung - Seitz, Der Wählerische
Schlosskirche Neustelitz

Aktuell:


Museen Böttcherstraße
Paula Modersohn-Becker Museum und die Bernhard Hoetger Sammlung

Das Paula Modersohn-Becker Museum ist ein Bauwerk des Bildhauers, Kunsthandwerkers und Architekten Bernhard Hoetger. Es ist das weltweit erste Museum, das einer Malerin gewidmet wurde und es beherbergt die umfangreichste Sammlung seines Architekten.
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Gustav Seitz in Trebnitz

Ein Gustav-Seitz-Zentrum in Trebnitz

Ab März 2015 zeigt die Gustav Seitz Stiftung ihre Ausstellung "Gustav Seitz in Trebnitz"
in der vom "Schloß Trebnitz Bildungs- und Begegnungszentrum e. V." getragenen
Remise des Schlosses.
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Museum im Kulturspeicher Würzburg

Seit 2002 gibt es das Museum im Kulturspeicher am Alten Hafen in Würzburg. In dem zu einem modernen Museumsbau umgestalteten Getreidespeicher von 1904 werden seitdem zwei Sammlungen präsentiert: die Städtische Sammlung, die zuvor in der Städtischen Galerie ansässig war, und die international renommierte Sammlung Peter C. Ruppert - Konkrete Kunst in Europa nach 1945. Ein Bestandteil der Städtischen Sammlung ist der Nachlass Emy Roeders, die zu den bedeutendsten deutschen Bildhauerinnen der Moderne gehörte.

Für aktuelle Informationen besuchen sie unsere Webseite http://www.kulturspeicher.de

 

 

 

Städtische Sammlung von der Romantik bis in die Moderne mit dem Nachlass Emy Roeder

 
 
Gleichen-Russwurm
Ludwig von Gleichen-Russwurm, Schlossgarten in Bonnland, 1897

Öl auf Leinwand


Der Ruf nach einer Galerie mit einer Städtischen Sammlung kam nach dem Ersten Weltkrieg aus dem Kreis Würzburger Künstler. Promotor und Vorreiter war der Maler und Kunsterzieher Heiner Dikreiter (Ludwigshafen 1893 - 1966 Würzburg). Seit den 1920er Jahren suchte er die Kunst und Künstler seiner Zeit in der Gegenwart und im Bewusstsein der Öffentlichkeit zu verankern und so eine Verbindung zu schaffen zur ruhmreichen künstlerischen Vergangenheit. Im Zuge der Gründung der Städtischen Galerie 1941 begann eine rege Sammlungstätigkeit. In nur wenigen Jahren wurden durch Schenkungen, Nachlässe, private Leihgaben und Ankäufe Werke von Künstlern zusammen getragen, die im 19. und 20. Jahrhundert durch Herkunft oder Tätigkeit mit Würzburg und Mainfranken verbunden waren.
Diese Zielrichtung setzte Maßstäbe für die weitere Ankaufs- und Sammlungspolitik. Sie konzentrierte sich über Jahrzehnte auf Werke deutscher, bevorzugt fränkisch-süddeutscher Künstler des 19. und 20. Jahrhunderts, auch wenn nach und nach der geographische Rahmen erweitert wurde. Heute orientiert sich die Sammlungstätigkeit stärker an den Schwerpunkten, die sich in der Sammlung ausgebildet haben. Diese vermitteln überregionale Entwicklungen in der Kunst oder rücken einzelne Künstlerpersönlichkeiten wie Wilhelm Leibl und seinen Kreis in den Blick.

 

Leibl
Wilhelm Leibl, Jugendliches Selbstbildnis, um 1861
Öl auf Leinwand

 

Ein Schwerpunkt der Sammlung ist der deutsche Impressionismus mit bedeutenden Malern der Berliner Sezession, so Max Slevogt, Robert Breyer, Philipp Frank, Walter Leistikow und Joseph Oppenheimer. Vertreten sind als Künstler der Weimarer Malerschule auch Ludwig von Gleichen-Russwurm und Franz Bunke. Aus Worpswede kam Otto Modersohn zu Malaufenthalten nach Würzburg und Mainfranken. Unterkunft fand er ebenso wie Erich Heckel bei der Malerin Gertraud Rostosky auf dem Gut Zur Neuen Welt in Würzburg. Ihre Werke sind ebenfalls in die Städtische Sammlung eingegangen.

 

Slevogt

Max Slevogt, Bildnis Robert Breyer, 1896
Öl auf Leinwand

 

Modersohn

Otto Modersohn, Schloss Wertheim (Weißer Turm), 1924
Öl auf Rupfen

 

Ein weiterer Höhepunkt der Städtischen Sammlung ist der Nachlass der Bildhauerin Emy Roeder (1890 Würzburg – 1971 Mainz). Die documenta-Teilnehmerin zählt zu den bedeutendsten Vertretern einer figürlichen Plastik der Moderne. Mit ihren Skulpturen und Zeichnungen sowie Werken ihrer Künstlerfreunde Hans Purrmann, Erich Heckel und Karl Schmidt-Rottluff fand in den 1970er Jahren die Kunst der klassischen Moderne Eingang in die Städtische Sammlung. Anknüpfend an ihr Wirken erweiterte sich die Sammlung um plastische Arbeiten von Joannis Avramidis, Stephan Balkenhol, Hermann Glöckner, Magdalena Jetelová, Joachim Koch, Mischa Kuball, Camill Leberer, Nobert Radermacher und Rudolf Wachter.

Purrmann
Hans Purrmann, Großes Blumenstillleben mit Paravent, um 1925
Öl auf Leinwand

 

Die Städtische Sammlung, die stets auch mit Schenkungen bedacht wird, umfasst neben Gemälden und Plastiken einen großen Bestand von ca. 20 000 graphischen Blättern sowie Korrespondenzen und Nachlässe u.a. von Ludwig von Gleichen-Russwurm, Hugo von Habermann, Hans Haffenrichter, Hans Reichel, Emy Roeder und Gertraud Rostosky.

Bis zu ihrem Einzug in das Museum im Kulturspeicher hatte die Städtische Sammlung von1970 bis 2002 ihr erstes eigenes Domizil in der ehemaligen Städtischen Galerie am Paradeplatz. Im Kulturspeicher, der Nachfolgeinstitution, steht dieser öffentlichen die private Sammlung Peter C. Ruppert. Konkrete Kunst in Europa nach 1945 gegenüber.
In Struktur und Geschichte könnten beide Sammlungen nicht unterschiedlicher sein: im vom Haupteingang aus linken Gebäudetrakt präsentiert sich eine Kunstrichtung, die, einem geistigen Konzept folgend, grenzüberschreitend agiert. Auf der rechten Seite sind Kunstwerke unterschiedlichster Stilrichtungen versammelt, die vielfach einem regionalen Kontext entstammen und der Tradition und dem Figurenbild verpflichtet sind.

Lessig-Zollhaus
Curd Lessig, Zollhaus, 1954
Öl auf Leinwand

 

Stein-853
Dieter Stein, Bild 8/53, 1953
Öl auf Sperrholz


 

Nachlass Emy Roeder

Der Name der Bildhauerin Emy Roeder fehlt selten in Ausstellungen und Publikationen zur deutschen Plastik des 20. Jahrhunderts. Ihr Werk gilt als ebenso bedeutend wie das ihrer Bildhauerkollegen Gerhard Marcks, Ewald Mataré oder Edwin Scharff. Bereits in den 1920er Jahren konnte sich die Bildhauerin in der Kunstmetropole Berlin durchsetzen.

Zusammen mit Käthe Kollwitz, Renée Sintenis und Milly Steger wagte sich Emy Roeder in einen vorwiegend männlich besetzten Bereich der Kunst. Sie übte sich in der Kunst des Zeichnens, des Modellierens, des Formens und in der Technik des Bronzegusses.

Emy Roeder kam 1890 als Tochter einer alteingesessenen Kaufmannsfamilie am Würzburger Markt zur Welt. Am Polytechnischen Zentralverein Würzburg begann sie 1908 als Schülerin von Arthur Schleglmünig mit Zeichnen und Modellieren. Kurz nach dem frühen Tod ihres Vaters wechselte sie 1911 nach München. 1913 wurde sie Schülerin des bekannten Bildhauers Bernhard Hoetger und arbeitete mit ihm an der Ausgestaltung des Platanenhains in Darmstadt. Er brachte ihr eine moderne plastische Auffassung nahe, die sich auf Tektonik, Form und Materialgerechtigkeit konzentrierte.

1914/15 zog es die junge Künstlerin nach Berlin, wo sie sich nach ihrer Heirat mit dem Bildhauer Herbert Garbe 1919 dauerhaft niederließ. Dort erlebte Emy Roederexterner Linknicht nur die Gemeinschaft mit gleichaltrigen Künstlern, sondern sie begegnete auch dem Werk so wegweisender Bildhauer wie Alexander Archipenko, Ernst Barlach und Wilhelm Lehmbruck. Als Mitglied der „Novembergruppe“ und der „Freien Secession“ knüpfte sie Kontakte mit den Brücke-Expressionisten Erich Heckel und Karl Schmidt-Rottluff und sie lernte u.a. Käthe Kollwitz, Milly Steger, Rudolf Belling und Ewald Mataré kennen. In jenen Jahren fand sie in ihrer Plastik zu einer expressionistischen Formensprache. Zwei seltene Holzplastiken aus dieser kurzen expressionistischen Werkphase sind „Die Schwangere“ und „Betender Knabe“ im Museum im Kulturspeicher Würzburg. Viele andere Werke aus dieser Phase sind zerstört und verschollen.

1920 setzte Emy Roeder als Meisterschülerin des Bildhauers Hugo Lederer ihre Studien an der Akademie der Künste in Berlin fort, die nun auch für Frauen geöffnet war. Ihre Formensprache beruhigte und klärte sich. In jenen Jahren trat sie neben Bildnisbüsten mit Plastiken hervor, die menschliche und kreatürliche Gemeinschaft zum Ausdruck bringen. Ein inniges, einander zugewandtes und vertrauensvolles Dasein kennzeichnet die Beziehung von Mutter und Kind und ihre plastischen Darstellungen von Freundinnen und Geschwister.

Nach frühen Erfolgen in Berlin, Ausstellungen und Auszeichnungen wurde ihre Terrakotta Plastik „Schwangere“ 1937 als „entartet“ in München ausgestellt und diffamiert. Von 1936 bis zu ihrer Internierung in Padula lebte und arbeitete Emy Roeder – zunächst als Stipendiatin der Villa Romana - in Florenz, wo sie politisch weitgehend unbehelligt und zurückgezogen arbeiten konnte. 1949/50 kehrte sie von Rom nach Deutschland zurück und begründete nun fast sechzig Jahre alt mit Hilfe von Fritz Volbach in Mainz eine neue Existenz. Neue künstlerische Freundschaften schloss sie in ihren späten Jahren mit den Bildhauern Hans Mettel, Wilhelm Loth und Gustav Seitz. Bis zu ihrem Tod lebte und arbeitete Emy Roeder in Mainz, doch unterhielt sie noch Kontakte nach Würzburg, auch wenn ihre Familie längst nicht mehr in Würzburg lebte.

Emy Roeder erlebte zwei Weltkriege, Zerstörung, Wiederaufbau und den Wechsel der Generationen mit, doch verlor sie nie den Bezug zur Gegenwartskunst. Mit den ausdrucksstarken Bildnisköpfen ihrer Malerfreunde Erich Heckel, Hans Purrmann und Karl Schmidt-Rottluff erfuhr sie in den 1950er Jahren höchste Anerkennung: 1955 war sie auf der documenta I in Kassel vertreten. Zu Beginn der 1960er Jahre inspirierte sie die Begegnung mit den Tripolitanerinnen in Nordafrika zu äußerst reduzierten, auch überlebensgroß ausgeführten Frauendarstellungen.

Obgleich Emy Roeder nicht mehr nach Würzburg zurückkehrte, vermachte sie noch zu Lebzeiten ihrer Heimatstadt ihren künstlerischen Nachlass, der nicht nur ihre eigenen Skulpturen und Zeichnungen, sondern auch Werke befreundeter Künstler enthält. Das Museum im Kulturspeicher Würzburg betreut und verwahrt ihren Nachlass und hat ihr dauerhaft einen eigenen Ausstellungsraum eingerichtet.

Ihr Nachlass umfasst rund 70 Skulpturen und Gipsmodelle sowie über 100 Zeichnungen, dazu Briefe und Werke der mit ihr befreundeten Künstler, u.a. Erich Heckel, Hans Purrmann, Karl Schmidt-Rottluff und Gustav Seitz.

 

Roeder-Selbstbildnis

 

Emy Roeder, Selbstbildnis, 1958, Bronze, Museum im Kulturspeicher

 

EmyRoederRaum

 

Blick in den Ausstellungsraum R 04

 

 

 

 

 

 

 

 

Sammlung Peter C. Ruppert

Die Sammlung zeigt die Präsenz dieser Kunst in 23 europäischen Ländern und die unterschiedlichen Erneuerungen und Ausformungen, die sie nach 1945 erfahren hat. Vertreten sind Künstler und Künstlerinnen aus Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien, der Schweiz, Nord-, Süd- und Osteuropa und den Beneluxländern, darunter so bekannte wie Max Bill, Günter Frühtrunk, Auguste Herbin, Barbara Hepworth, Richard Paul Lohse, Bridget Riley, Victor Vasarely.

Dem Schritt in die Öffentlichkeit im Jahre 2002 gingen rund 30 Jahre Sammeltätigkeit von Peter C. Ruppert und seiner Frau Rosemarie voraus, in denen sie ein klares Bild der Konkreten Kunst ab dem 2. Weltkrieg bis in die Gegenwart entwarfen. Die jeweils wichtigsten Künstler nahezu aller Länder Europas sind mit herausragenden Werken erfasst; die Schirmherrschaft des Generalsekretärs des Europarates würdigt diesen Einsatz für die europäische Dimension. Bis heute ist die Sammlung nicht abgeschlossen; aktuelle Strömungen werden ebenso ergänzt wie einzelne noch fehlende künstlerische Positionen nach 1945.

So bleibt das Bild der Sammlung lebendig und zeigt sich in wechselnden Präsentationen, die dem Publikum vielfältige Perspektiven aufschließen. Jeder der 6 Räume mit insgesamt 1850 qm im südlichen Gebäudetrakt vereint unter Raumtiteln wie „Farbe als Element“ oder „Die 1950er und 1960er Jahre“ inhaltliche oder historische Aspekte der Sammlung. Schwerpunkte der Sammlung bilden die Schweizer Szene, die mit Protagonisten wie Max Bill oder Richard Paul Lohse der Konkreten Kunst in Zürich nach 1945 neue Wege wies oder Paris als Zentrum, wo sich rund um die Galerie Denise René in den 1950er Jahre ein aktiver Kreis von Künstlern (gegen die vorherrschenden informellen Kunstströmungen) formierte.

Zwei weitere Schwerpunkte sind in jüngerer Zeit hinzu gekommen: die Szene der Konkreten Kunst in Großbritannien sowie die Formulierung von Bildvorstellungen der Konkreten Kunst in der Fotografie. Beides ist einzigartig in deutschen Museen. Ein ähnlich qualitativer Querschnitt englischer Konkreter Kunst findet sich außerhalb von Großbritannien neben der Sammlung Ruppert kaum; der Begriff der Konkreten Fotografie wurde erst mit und im Museum im Kulturspeicher entwickelt und in einer ersten Sonderausstellung im Jahre 2005 diskutiert.

Bei alledem kommt ein breites Spektrum an Materialien und Medien ins Spiel, das Kinetik ebenso einschließt wie den Einsatz des Computers zur Gewinnung neuer Bildformen. Allen diesen Methoden und Ansätzen gemeinsam ist die Autonomie der Bildmittel, die das Wesen der Konkreten Kunst ausmacht, ihr Beharren darauf, dass die bildnerische Welt eine eigene sei, aufgebaut auf Fläche, Raum, Linie, Farbe, Hell-Dunkel, Licht und Bewegung. Dies unterscheidet die ungegenständliche, nicht abbildende Konkrete Kunst grundlegend von der abstrakten Kunst; letztere geht vom Gegenstand aus und lässt in dessen schrittweisen Verwandlung in ein Form-Farb-Gefüge diesen Ursprung erkennen.

Das zweite grundsätzliche Wesensmerkmal des Konkreten ist die Berechenbarkeit dieser Kunst, das offene zu Tage Liegen ihrer Prinzipien wie serielle und modulare Ordnung sowie Symmetrie, Rotation und Progression, somit ihre Nähe zur Mathematik. Dies, und zugleich das Überströmen bildnerischer Wirkungen, die, aller logischen Kalkulation zum Trotz, überraschend und unberechenbar sind, gehören zu den faszinierenden Eigenheiten der Konkreten Kunst.

 

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Raum 12